Hanya Yanagihara - A Little Life

A Little Life - Hanya Yanagihara

I really got very emotional when I finished this book. This was an exceptional read. I don't think I can really find the proper words in English and I have to make a german review. I totally fell into this book. And I don't know what to do now that  I have finished it

 

Thank you Netgalley for this ARC in exchange for an honest review

 

 

Hanya Yanagiharas zweiter Roman "A LIttle Life" ist für mehreren internationale Preise nominiert gewesen, darunter auch den Man Booker Preis. Ich vermute und hoffe stark, das es auch in Deutsch übersetzt wird. Denn es ist eines der ungewöhnlichsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es hat mich in den knapp 2 Wochen, die ich brauchte, um es zu lesen, extrem beschäftigt und bewegt.

Die Geschichte dreht sich um 4 Freunde, Sie lernen sich als 16jährige auf dem College kennen und wir begleiten sie, bis sie über 50 sind: Willem, Malcom, JB. Die Kernfigur ist aber Jude. Alle vier ziehen nach der College nach New York und werden über die Jahre alle beruflich extrem erfolgreich. Willem wird praktisch über Nacht ein vielbeschäftiger und erfolgreicher Schauspieler, JB findet endlich seinen Stil und wird mit einer Seire von Bilder über seine Freunde ein gefeierter Künstler. Malcolm eröffnet sein eigenes Architektenbüro und baut schon bald überall auf der Welt prestigeträchtige Gebäude. Und Jude wird ein sehr guter Anwalt. Sie bleiben auch alle Freunde und in Kontakt. Im Besonderen geht es aber um die Beziehung zwischen Willem und Jude. Die beiden haben eine ganz besondere Verbindung.

Jude hatte eine traumatische Kindheit. Er hat seine Eltern nie kennengelernt und wuchs die ersten Jahre in einem Kloster auf. Seine ganze Kindheit und seine Jugendjahre sind durchzogen von Missbrauch und Grausamkeit. Er lernt erst Freundschaft und Nähe kennen, als er die drei anderen trifft. Doch für viele Dinge ist es einfach zu spät für ihn. Er ist nicht nur seelisch sondern auich körperlich geschädigt. Wie es zu diesen ganzen Dingen kam, erfahren wir nach und nach. Diese Passagen sind wirklich nicht einfach zu lesen. Ich bin hart im nehmen aber hier ging es mir wirlich oft echt nahe. Vor allem die Szenen, die genau beschreiben, wie Jude sich selber verletzt. Er ritzt sich mit Rasierklingen in die Arme. Ständig, dauernd. Wir erleben die Spannung die sich in ihm aufbaut, wie er weiss, das er Abends diese "Erlösung" braucht und herbeisehnt und dann endlich, abends in seinem Badezimmer, bekommt.

Die Geschichte wird aus der Sicht verschiedener Personen erzählt. Dabei weiss man am Anfang der Kapitel nicht immer, wer gerade spricht, da die Autorin es geschickt vermeidet, Namen zu erwähnen. Am Anfang habe ich mich dabei schwer getan, ich habe auch eine Weile gebraucht, bis ich mich eingefunden hatte in dieses Buch. Die Rückblenden in Jude's Kindheit habe ich sehr ungern gelesen, weil sie einfach so schrecklich waren.

Bei so einem unfangreichen Buch (720 Seiten) gibt es meist auch einige Längen. Das habe ich hier nicht empfunden. Nur einmal habe ich kurz resigniert geseufzt, als ziemlich weit hinten eine weitere grauenvolle Episode aus Judes Leben erzählt wird. Diese schließt dann aber die Lücke in Judes Geschichte, die seine körperliche Versehrtheit erklärt.

Die Geschichte, die sich ja über Jahrzehnte erstreckt, ist seltsam losgelöst vom jeweiligen Zeitkontext. Reale Geschehnisse werden niemals erwähnt. Es gibt nur den Kosmos dieser Gruppe von Freunden, der sich im Laufe der Geschichte immer ein paar Randfiguren mehr anschließen. Ausser einem, einen von Judes Tutoren, der in seinem Leben eine wichtige Rolle spielen wird, bleiben alle anderen Charaktere wirklich nur Randfiguren. Selbst JB und Malcolm verschwinden in den Hintergrund. Mir ist auch aufgefallen, das es sehr wenige Frauenfiguren gibt, vor allem keine wichtigen. Hier geht es um Jude. Das Buch und auch alle Figuren kreisen um Jude. Als Kind zog er nur schlechtes an, aber als Erwachsener muss er etwas an sich haben, das alle zu ihm zieht und wirklich jede Figur alles für ihn tun würde, im Grunde alles tut, um ihm zu helfen. Aber alle Freundschaft, alles Glück können ihn nicht die ersten 15 Jahre seines Lebens vergessen machen.

So sehr dieses Buch Freundschaft und Liebe preist, so düster ist es doch. Einerseits ist es fast lächerlich oberflächlich in der Beschreibung, wie einfach alle 4 zu Ruhm und Geld kommen, um die Welt jetten, mal eben für ein Wochenende nach Paris, zum Urlaub nach Bhutan. Man fragt sich auch, wie viel kann ein Mensch, oder eine Buchfigur, erleiden. Und doch ist es so einnehmen. So bewegend. So traurig. Ich hätte erwartet, das ich irgendwann genervt wäre von Jude. Aber seltsamerweise war ich es nicht. Die Autorin hat auch mich als Leser zu Jude gezogen. Sin Zauber, den er um sich haben muss, hat auch auf mich gewirkt. Ich war vollkommen gefangen in der Geschichte und habe das Gefühl, diese Leute wirklich zu kennen.

Für mich ist dieses Buch, für das mir trotz dieser epischen Rezension die Worte fehlen, ein großes Leseerlebnis gewesen. Ich weine selten beim Lesen. Nur wenige Geschichten konnten mich wirklich zu Tränen rühren- Ich vermeide solche Bücher sogar eher. Aber hier ist es passiert .Und wirlich zum ersten Mal in meinem Leben weiss ich nicht, wie ich aus diesem Buch wieder rausfinden soll und was ich nun tun soll, da es ausgelesen ist